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Die Universitätsbibliothek Stuttgart zählt nicht zu den Bibliotheken mit großem Altbestand im Land.
Die relativ späte Gründung der Universität sowie die nahezu vollständige Zerstörung des Bibliotheksbestands im II. Weltkrieg sind der Hauptgrund, warum die Universitätsbibliothek keine Inkunabel und nur sehr wenig Druckwerke aus der Frühzeit des Buchdrucks (bis ca. 1850) besitzt. Obwohl die Universitätsbibliothek Stuttgart über keine eigenen Mittel für die Bestandserhaltung verfügt, ist sie in der Lage, aus Mitteln, die das Landesrestaurierungsprogramm den Archiven und Bibliotheken Baden-Württembergs zur Verfügung stellt, jährlich einige Einzelwerke oder Zeitschriftenbestände restaurieren zu lassen.
Die Restaurierung wertvoller Einzelstücke - wie etwa das abgebildete Werk "Theatrum machinarum hydraulicarum oder: Schau-Platz der Wasser-Künste" von Jacob Leupold (1724/25) - ist daher an der Universität Stuttgart eher ein Ausnahmefall. Dieser Band, der neben Schimmelbefall und Feuchtigkeitsschäden, wahrscheinlich infolge des spektakulären Unwetters vom 15.8.1972, bei dem die Magazine der Universitätsbibliothek mit Wasser vollgelaufen sind, auch Benutzungsschäden in Form von losen und eingerissenen Seiten sowie Beschädigungen des Einbands aufwies, wurde im Jahr 2007 durch das Ludwigsburger Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut aufwendig restauriert.
Aus der Tatsache, dass die Universitätsbibliothek Stuttgart nur über wenige Altbestände aus der Zeit vor 1850 verfügt, kann jedoch nicht geschlossen werden, dass Bestandserhaltung kein Problem an der UB ist. Das Gegenteil ist richtig, sind doch Bücher aus der Zeit vor 1850 bei richtiger Lagerung und geringer Benutzung nahezu unbegrenzt haltbar. Schäden entstehen hier fast nur durch äußere Einwirkungen wie Benutzung und Naturkatastrophen (Feuchtigkeit, Wasser, Feuer).
 Seit etwa 1850 aber, seit es Papier- und Buchherstellung unter Anwendung industrieller Verfahren gibt (Holzschliffpapiere und Klebebindung), sind Bücher durch im Medium selbst liegende Gefahren bedroht. Hierzu zählt vor allem der Säurefraß, der durch die Verwendung von saurem Papierleim in der Papierherstellung verursacht wird. Im hier gezeigten Beispiel der "Reichsluftkursbücher" aus der Zwischenkriegszeit hat die Übersäuerung des Papiers dieses so stark destabilisiert, dass der Pappeinband gebrochen ist und im Randbereich immer wieder kleine Ecken beim normalen Gebrauch abbrechen. Auch der inliegende Buchblock ist bereits stark gebräunt und zusätzlich durch die zeitgenössische Metallklammernheftung, die den Buchblock bei der Benutzung stark beansprucht und u.U. korrodiert, geschädigt. Diese Schäden sind irreversibel. Massenentsäuerungsverfahren können den weiteren Schadensverlauf aber erheblich verlangsamen und so die Benutzbarkeit des Buches - je nach Schadensgrad - um mehrere Jahrzehnte oder Jahrhunderte verlängern. Das Problem ist seit den 1960er Jahren bekannt und seitdem werden immer mehr Bücher auf säurefreiem Papier gedruckt, so dass sie auch ohne aufwändige Entsäuerungsmassnahmen eine hohe Lebenserwartung haben.
Die Universitätsbibliothek Stuttgart lässt - in Kooperation mit dem Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut und externen Dienstleistern - Bestände entsäuern und verfilmen, die ansonsten in Deutschland nicht oder nur selten nachgewiesen sind. Die Verfilmung dient dabei dem Schutz des bereits geschädigten Originals, das der Benutzung weitgehend entzogen wird und nur noch in Sonderfällen benutzt werden darf. Hierzu zählen vor allem Zeitschriftenbestände aus dem ehemaligen Sondersammelgebiet der DFG, das an der UB Stuttgart angesiedelt war, sowie weitere Literatur aus Forschungs- und Lehrschwerpunkten an der Universität Stuttgart.
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