Bibliometrie

Quantitative Auswertung wissenschaftlicher Publikationen mit Hilfe statistischer Methoden

Unter dem Begriff Bibliometrie versteht man die quantitative Auswertung wissenschaftlicher Veröffentlichungen mit Hilfe von statistischen Methoden. Der Begriff Bibliometrie wurde bereits 1969 von Alan Pritchard geprägt. Pritchard definierte Bibliometrie als:

..the application of mathematics and statistical methods to books and other media of communication. 

Eine der wesentlichen Aufgaben der bibliometrischen Analysen ist es Informationen über die Publikationsleistungen einer Person, einer wissenschaftlichen Gruppe oder einer Einrichtung zu geben. Ebenso liefert diese Auskunft über die Wirkung der Veröffentlichung in der Fachöffentlichkeit, die Integration in der Wissenschaftslandschaft und die internationale Wahrnehmung im Vergleich mit anderen.

Für einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler spielt der Impact sowie die Sichtbarkeit Ihrer Forschung in Form von Veröffentlichungen zur Steigerung ihrer Reputation eine große Rolle. Aktuelle Studien wie beispielsweise von Jim Ottavani haben ergeben, dass die Zitierhäufigkeit frei zugänglicher wissenschaftlicher Inhalte weitaus höher ist als bei kostenpflichtigen Veröffentlichungen. Laut der Studie von Herrn Ottavani werden Aufsätze, die in Online-Archiven zweitveröffentlicht und damit frei zugänglich gemacht werden, bis zu 19 Prozent häufiger zitiert, als das kommerzielle Pen­dant. Immer mehr Open-Access-Zeitschriften verfügen über einen Journal Impact Faktor, der häufig höher ist als bei vergleichbaren kostenpflichtigen Zeitschriften. Neben dem Journal Impact Faktor ist auch die Anzahl der Downloads von Open-Access-Dokumenten ein Maß für die Sichtbarkeit der bereitgestellten wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Zitationsdatenbanken wie Web of Science haben die stetig steigende Tendenz der Open-Access-Zeitschriften erkannt, sodass die Zahl der Open-Access Veröffentlichungen in dieser Datenbank kontinuierlich steigt.

Seit 2014 ermöglicht Web of Science in ihrem „Refine Menu“ (unten in linker Spalte „refine results“) die Auswahl von Open Access Publikationen. Dabei handelt es sich nach Angaben von Thomson Reuters um Open Access Journale vom Directory of Open Access Journals (DOAJ).

Des weiteren bietet das Forschungszentrum Jülich über sein Publikationsportal JOIN2 die Möglichkeit weitere Recherchen nach Open-Access-Zeitschriften an. So kann z.B. die Schnittmenge der Journals, die im DOAJ und im Journal Citation Reports (JCR) des Web of Science indexiert sind, abgefragt werden.

Gegenüber bibliometrischen Indikatoren, z.B. dem Hirsch-Index  oder dem Impact Factor, wird vielfach der Einwand vorgebracht, dass man komplexe Systeme grundsätzlich nicht mit einer einzelnen Kennzahl abbilden kann. Verschiedene Indikatoren haben für sich genommen nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft. Daher ist für die Bewertung von Forschungsleistungen die Kombination mehrerer Indikatoren unbedingt erforderlich. Die dadurch erhaltenen quantitativen Aussagen sind eine wertvolle Orientierung bei der Bewertung von Forschungsleistungen, sagen aber nichts Endgültiges über die Qualität der Forschung aus. 

Des Weiteren sollten folgende Themen bei der Erstellung von bibliometrischen Analysen berücksichtigt werden:

Berücksichtigte Dokumenttypen

Publikationsdatenbanken für bibliometrische Analysen bilden zum einen nicht das gesamten wissenschaftliche Veröffentlichungsaufkommen, zum anderen werden in den bibliometrischen Publikationsdatenbanken nicht alle Dokumententypen erfasst und berücksichtigt.

Zählung der Zitate

Eine weitere Fehlerquelle ist die Tatsache, dass mehrmals in einer Arbeit genannten Werke im ”Citation Index” nur einmal verzeichnet werden. Dadurch können Verzehrung des Ergebnisses entstehen, da es keinerlei Auskunft über die Intensität der verwendeten Werke gibt. So kann es doch vorkommen, dass ein Werk in der publizierten Arbeit als Grundlage verwendet wird und somit automatisch öfter in der veröffentlichten Arbeit genannt wird, hingegen ein anderes Werk nur einmal genannt wird. Das Resultat bei beiden ist eine einmalige Aufzählung im ”Citation Index”. Damit erfasst der ”Citiation Index” nur das Faktum der entsprechenden Informationsvermittlung, jedoch nicht ihre Ausprägung.

Zitationen als Maß für Qualität

Jede Zitierung zeigt Wirkung auf die zitierenden Autoren an, sei es, dass zitierte Resultate von ihnen unmittelbar genutzt werden, oder sei es, dass sie die zitierte Publikation nur bewerten und in den Gang der Forschung einordnen. Jedenfalls erfährt eine Publikation durch die Zitierung eine Aufmerksamkeit. Jedoch ist eine hohe Anzahl an Zitationen keine Aussage über die Qualität der Arbeit.

Disziplinspezifisches Publikationsverhalten

Jede wissenschaftliche Disziplin hat ihre eigene Publikations- sowie Zitationsgewohnheit. So findet man beispielsweise in den Arbeiten aus der mathematischen Disziplin im Mittel fünf bis zehn Literaturverweise, in Chemie und Physik 20-30 Literaturverweise und in molekularbiologischen Arbeiten 50-60 Referenzen. Aufgrund dessen ist es immer schwierig verschiedene fächerübergreifende Disziplinen miteinander zu vergleichen.

Mit der ständig wachsenden Zahl von elektronischen Publikationen entwickeln sich auch zunehmend neue Metriken auf der Basis von Nutzungskennzahlen als wichtiges Bewertungskriterium. Im Unterschied zu den klassischen zitationsbasierten Metriken, spiegeln Nutzungsstatistiken die aktuelle wissenschaftliche Bedeutung eines digitalen Dokuments in der Fachwelt wider. Erfasst werden artikelbezogene Metriken wie zum Beispiel Downloads, Views oder die Erwähnung wissenschaftlicher Publikationen in sozialen Netzwerken und Literaturverwaltungsplattformen.

Dieses Bild zeigt  Sibylle Hermann
Dipl.-Ing.

Sibylle Hermann

Leitung Publikationsdienste, Fachreferat, Koordination Forschungsdaten, Drittmittelprojekte (Projektleitung): SusI, ReSUS, BigDIWA-Xsample, bwDataBib

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